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Statements

Gunter Langer – Maler und Grafiker

Er ist einer der wenigen, die noch zeichnen können. Und die Art, wie er den Stift führt, sucht ihresgleichen. Üblicherweise tasten sich Künstler beim Zeichnen mit vorsichtigen, kurzen Strichen an die optimale Linienführung heran. So wird es auch gelehrt. Gunter Langer arbeitet vollkommen anders. Er zieht seine Linien kräftig durch ohne abzusetzen, formt sie mit einem außergewöhnlichen Gespür für die Gestalt und den Ausdruck seines Motivs. Solcherart gezogene Linien können auch misslingen. Anfangs hat er dann das Blatt weggeworfen. Kompromisslos. Korrigieren kam nicht in Frage. Die Konsequenz dieser harten Haltung ist, dass viele gelungene Ansätze verlorengehen. Darum ist Gunter Langer inzwischen dazu übergegangen, bestimmte Arbeiten zu retten. Wenn er mit einer kleinen Korrektur zur gewünschten Gestalt kommen kann, dann legt er noch einmal Hand an. Er weiß: Kreativität ist ein Geschenk, mit dem man sorgsam umgehen muss. Denn an manchen Tagen läuft es überhaupt nicht und es ist wie verhext. Kaum eine Linie will gelingen. Aber selbst dann wirft er nicht gleich alles weg. Was nicht zu retten ist, legt er sich als warnendes Beispiel hin und versucht es auf Neue. Aber es gibt auch die guten Tage. Dann entstehen Arbeiten, die mit wenigen Linien eine große Ausdruckskraft entfalten. Was er dann mit scheinbarer Leichtigkeit in minutenschnelle aufs Papier zaubert, ist das Ergebnis jahrelanger Übung und eines außergewöhnlichen Talents.


Das Hegenbarth-Gen

Gunter Langer, Karikatur, Gouache Wasserfarbe Bleistift
Gunter Langer, Karikatur, steht, Gouache Wasserfarbe Bleistift

„Deine Geschicklichkeit hast du von den Hegenbarths.“ Langer, der entfernt verwandt ist mit dem Maler Josef Hegenbarth, hat diesen Satz oft in seiner Kindheit gehört. Seine Großmutter, die nicht aus der Linie des Altmeisters stammte, lobte ihn so, wenn sie ihn beim Zeichnen beobachtete. Gunter Langer wusste damals nicht, was sie damit meinte. Später wurde es ihm klar, denn in der Verwandtschaft wird erzählt, dass Josef Hegenbarth auch außerhalb des Ateliers immerzu mit einem Zeichenstift hantierte. Er hatte die Gewohnheit, auf sämtliche verfügbaren Zeitungsränder mit wenigen raschen Linien lebendige Tierfiguren zu zaubern. Es war jene Art zu zeichnen, die auch Gunter Langer intuitiv für sich entdeckte hatte. Ohne sein „Hegenbarth-Gen“ wäre er nie so weit gekommen, glaubt der Künstler.
Der Rest ist Arbeit. Die Fähigkeit, mit einem Zug die richtige Linie zu treffen, erfordert ständiges Training, sonst verschwindet sie. Langer vergleicht sich mit Musikern, die täglich üben müssen, wenn sie ihre Virtuosität erhalten wollen. Und er zitiert den weltberühmten Geiger Igor Oistrach, Sohn und Schüler des legendären David Oistrach: „Wenn ich einen Tag nicht übe, bemerkt es mein Vater. Wenn ich zwei Tage nicht übe, bemerke ich es selbst. Und wenn ich eine Woche lang nicht übe, bemerkt es das Publikum.“ Damit er vor dem Publikum und vor allem vor sich selbst bestehen kann, bekritzelt Gunter Langer viel Papier, wenn es sein muss auch Zeitungsränder…


Farben - eine neue Dimension

Gunter Langer, Porträt Frau, Gouache Wasserfarbe Bleistift
Gunter Langer, Akt Frau, steht, Gouache Wasserfarbe Bleistift

Gunter Langer hat den Einsatz von Farben lange gescheut. Als er 2007 damit begann, war er längst ein gestandener Grafiker. Die Geheimnisse des neuen Mediums, seine unendlichen Möglichkeiten zogen ihn rasch in ihren Bann. Seitdem erforscht er mit leidenschaftlicher Neugier das Zusammenspiel der Farben. Dabei holt er sich Anregungen aus allen Epochen der Malerei. Goya zum Beispiel hat es ihm angetan. „Allein wie der Altmeister Hauttöne gemalt hat, das ist heute noch faszinierend und äußerst lehrreich." Er holt die längst vergessene Farbkompositionslehre der Dresdner Schule wieder ans Tageslicht, experimentiert mit unterschiedlichsten Techniken und Materialien. Langer sucht permanent nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten, will immer wieder überraschen. „Mein Ziel ist nicht, einen Personalstil zu entwickeln. Ich glaube, das bedeutet Stillstand“, bekennt er. So fügt er seinem grafischen Talent immer neue Dimensionen hinzu.


Sophie

Gunter Langer, Porträt Frau, Acryl Malerei

„Sophie“ - eine der ersten farbigen Arbeiten Gunter Langers in Acryl. An diesem Porträt aus dem Jahre 2010 hängt das Herz des Künstlers besonders. Als sich eines Tages während einer Ausstellung ein Kaufinteressent meldete, lehnte er einen Verkauf spontan ab. Er wollte das Bild nicht hergeben. Doch der Kunde, ein New Yorker Kunstliebhaber, ließ nicht locker. Nachdem Gunter Langer schweren Herzens in den Verkauf eingewilligt hatte, lud ihn der Sammler ein, ihn in New York zu besuchen. Was der Künstler dort sah, tröstete ihn über den Verlust hinweg, denn er fand seine „Sophie“ in bester Gesellschaft - neben Werken von Picasso, Kokoschka und Feininger.


Stilles Wesen – Verwandlung im Schwarzlicht

Gunter Langer, Akt Frau, steht, Fluoreszierende nachleuchtende Acrylmalerei

„Dieser Akt war anfangs ein Horrortrip“, erinnert sich Gunter Langer. Er hatte die Idee, ein Bild zu malen, das dreifach bestehen kann: bei Tageslicht, unter UV-Licht und beim Nachleuchten in völliger Dunkelheit. Das Problem ist, dass sich die Farben mit dem Licht ändern. Titanweiß zum Beispiel wird unter UV-Licht schwarz. Das heißt, weiß gemalte Aufhellungen, die dem Bild bei Tageslicht Leuchtkraft geben, werden unter UV-Licht zu hässlichen schwarzen Flecken. Korrigierte Langer nun das Bild unter UV-Licht, verdarb er damit das Tageslichtbild. Und korrigierte er wiederum dies, zerstörte er damit erneut das UV-Bild. „Was schief gehen konnte, ging schief. Und es wurde immer schlimmer, bis ich geschnallt habe, wie es geht.“ Jetzt ist das Werk nicht nur ein attraktiver weiblicher Akt. Auch seine technische Präsentation unter wechselndem Licht ist in Ausstellungen ein Highlight.


Morgentau

Gunter Langer, Akt Frau, steht, Gouache

„Morgentau“ ist für eine Ausstellung unter dem Titel „Der Reiz der Grazien“ entstanden. Der Kurator wünschte sich große Formate. Eine neue Herausforderung für Gunter Langer, denn mit der Größe des Bildes steigt die Schwierigkeit seiner besonderen Technik, Linien in einem einzigen Zuge auszuformen. Der Umstieg auf ein großes Format war für ihn wie die Aufforderung an einen Geiger, nun plötzlich Kontrabass zu spielen. Gunter Langer ging das Wagnis ein. Das Ergebnis überzeugt. Mit der ihm eigenen raumgreifenden Linienführung ist ihm der Akt einer selbstbewussten Frau von prickelnder Erotik gelungen. Die Wirkung verstärkt der Künstler durch den Einsatz von Gouachefarben. Sie hauchen der Figur Leben ein und verleihen dem Werk eine dreidimensionale Tiefe.


Zeichnen im Großformat – eine künstlerische Herausforderung

Gunter Langer, Akt Frau, sitzt, Gouache Wasserfarbe Bleistift

Für großformatige Gemälde gibt es viele berühmte Beispiele: Die „Sixtinische Madonna“ von Raffael, das „Kriegstryptichon“ von Otto Dix oder „Guernica“ von Pablo Picasso. Zeichnungen aber sind selten größer als etwa A3-Format.
Das Problem ist die Perspektive. Der Abstand des Grafikers zum Blatt ist beim Zeichnen durch seine Armlänge begrenzt. Je größer das Format, umso schwieriger ist es, das Blatt zu überblicken. „Man kann die Proportionen des Motivs nicht mehr mit einem Blick erfassen. Es ist schwer, die Formen in den richtigen Zusammenhang zu bringen“, sagt Gunter Langer.
Dennoch arbeitet er schon seit 2007 an Grafiken, die etwa A2 Format haben und neuerdings zeichnet er sogar Blätter in A1-Größe. Er könnte es sich leichtmachen und auf die gebräuchlichen Hilfsmittel zurückgreifen, die Künstler vor allem für großformatige Gemälde nutzen: Sie zeichnen ihr Motiv zuerst im kleinen Format und übertragen es dann in eine größere Dimension. Dazu werden teils Gitterlinien zu Hilfe genommen, heutzutage wird das Motiv meist auf die Leinwand projiziert und nachgezeichnet.
Das lehnt Gunter Langer für Grafiken ab. „Lebendig wird eine Zeichnung nur, wenn man die Linien frei zieht, wenn man dabei seiner Eingebung folgt. Zieht man nur Konturen nach, ist man darin gefangen. Die Linien sind tot und letztlich die gesamte Zeichnung.“ Daher stellt sich Gunter Langer der Herausforderung, sein Motiv auch auf einem großen Blatt freihändig zu gestalten.